Es ist erst Januar und Sie fühlen sich schon wieder urlaubsreif? Vielleicht sollten Sie sich dann etwas Entspannung gönnen. Wie wäre es mit einem Bad in der Schwerelosigkeit? Dafür braucht man nicht extra in den Weltraum zu fliegen. Auch beim Wellness-Trend Floating entkommt man der Erdanziehungskraft - und das nur zu einem Zweck: Abschalten. Klingt verlockend. Ich habe den Salzwasser-Tank getestet und weiss jetzt, wie es sich anfühlt.

Autorenporträt Silke Stadler
In ihrer Kolumne "Ausprobiert" testet unsere Gesundheitsredakteurin Silke Stadler am eigenen Leib, worüber sie schreibt. © 1&1 Mail & Media GmbH
Silke Stadler, Redakteurin für Gesundheit
Eine Kolumne
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Das Jahresende war stressig. Als die meisten meiner Kollegen im Urlaub waren, sass ich brav im Büro. Wie urlaubsreif ich bin, merke ich, als auch ich endlich 14 freien Tagen entgegenblicken darf. Energie habe ich zu diesem Zeitpunkt keine mehr, mein bescheidener Neujahrswunsch: Meine Ruhe haben.

Um der ersehnten Entspannung aktiv auf die Sprünge zu helfen, vereinbare ich einen Termin bei "float", einem Floating-Studio im Münchner Stadtteil Schwabing. 60 Minuten Schwerelosigkeit gibt es hier für 65 Euro. An dem Zentrum laufe ich des Öfteren vorbei und jedes Mal denke ich: "Da schau ich irgendwann mal rein".

Jetzt ist es soweit, hier bin ich. Ich werde von einem "float"-Mitarbeiter, empfangen. Er führt mich in einen warmen Raum, der mit Dusche und WC ausgestattet ist. Es gibt auch Duschgel, Handtücher, Deo, sogar Augenmakeup-Entferner. Nichts muss man/frau selber mitbringen, was ich sehr sympathisch finde. Das Highlight des Zimmers bildet ein weisser Tank, der etwa wadentief mit Salzwasser gefüllt ist. In ihm werde ich mich für die nächsten 60 Minuten von meiner Umwelt ausklinken. Der Tank sieht aus wie ein kleines Raumschiff und lädt mit geöffneter Tür dazu ein, mich in andere Sphären zu beamen.

Bevor es losgeht, erklärt der Experte, dass der Salzgehalt des Wassers noch höher ist als im Toten Meer. Das führt dazu, dass man tatsächlich waagerecht im Wasser schwebt. Nach etwa 20 Minuten setzt absolute Entspannung ein, verspricht der Mitarbeiter. Man schaltet völlig ab und denkt an gar nichts mehr. "Das glaube ich erst, wenn ich es am eigenen Leib erfahre", denke ich insgeheim. Aber vielleicht schaffe ich es ja tatsächlich, mein permanentes Kopfkino mal auszuknipsen?

Sobald ich allein bin, hüpfe ich unter die Dusche, und dann rein ins körperwarme Salzwasser des Tanks. Per Knopfdruck schliesse ich den Deckel. Umgeben von schummrigem Licht stelle ich verwundert fest, dass man keinerlei Temperaturunterschied zwischen den Elementen spürt. Man merkt nicht, welche Körperstellen sich unter und welche sich über der Wasseroberfläche befinden. Ich schwebe!

Nach ein paar Minuten traue ich mich, auch das Licht auszuschalten. Das wird empfohlen, um dem Körper möglichst alle Sinnesreize zu entziehen - ein Vorgang, den Fachleute "sensorische Deprivation" nennen. Davon habe ich in einem anderen Zusammenhang schon gehört: So wird nämlich auch eine Foltermethode bezeichnet, die zu Halluzinationen führt und ihre Opfer nach wenigen Tagen psychisch völlig zerstören kann. Aber, so beruhige ich mich, ich habe ja jederzeit die Wahl, das Ganze abzubrechen.

Als ich von völliger Dunkelheit umgeben bin, überkommt mich für einen Moment Panik. Das ist mir noch nie passiert. Ich muss mich richtig bemühen, meinen innerlich rasenden Körper zu beruhigen. Der Floating-Tank soll eigentlich die Wonne des Mutterleibes symbolisieren. Doch statt mich geborgen zu fühlen, habe ich zunächst verrückte Ängste. Trotz Ohropax höre ich Geräusche und bilde mir mit einer Überzeugungskraft, die jedem Realitätssinn entbehrt, ein, dass bestimmt der Strom ausgefallen ist und ich jetzt gefangen bin in der Floating-Tank-Hölle! Testweise schalte ich das Licht nochmal ein. Geht. Um ganz sicher zu sein, lasse ich den Deckel des Tanks nochmals aufgehen. Funktioniert ebenfalls. Dann steht der Entspannung jetzt hoffentlich nichts mehr im Wege.

Ich begebe mich in die bestmögliche Ausgangssituation zurück, das heisst: Deckel zu, Licht aus. Und siehe da: Jetzt klappt es auch mit dem Relaxen. Den Kopf bekomme ich zwar nicht hundertprozentig frei. Aber ich scheine dem Raum-Zeit-Kontinuum dennoch entflohen zu sein: Nach einer gefühlten halben Stunde ertönt leise Musik, die ankündigt, dass mein Floating-Erlebnis in ein paar Minuten zu Ende sein wird. Es fällt mir schwer, zu glauben, dass tatsächlich eine ganze Stunde vergangen ist.

Auch wenn es mir nicht gelungen ist, meinen steten und oftmals nervtötenden Gedankenstrom vollends zum Erliegen zu bringen, bin ich doch tief entspannt, als ich nach einer ausgiebigen Dusche wieder in die kalte Helligkeit des Münchner Nachmittags trete.

Als Floating-Anfänger habe ich mich wohl wenig souverän und in Sachen "Kopf frei" als besonders hartnäckiger Fall erwiesen. Aber jetzt bin ich gewappnet fürs nächste Mal. Und ich bin mir sicher: Mit etwas Übung schafft es in der Schwerelosigkeit sogar ein verkopfter Mensch wie ich, sein Hirn endlich einmal auszuschalten.

Lesen Sie auch den vorangegangenen Beitrag der "Ausprobiert"-Kolumne: Fallschirmspringen – für drinnen!

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