China trainiert seine Truppen regelmässig für den Einsatz gegen Taiwan. In den vergangenen zwei Tagen waren 36 Militärflugzeuge und 21 Kriegsschiffe an einer Übung vor der Insel beteiligt – unter scharfer Beobachtung. Jetzt soll die Übung beendet worden sein.

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Die Streitkräfte Chinas haben ihre zweitägige Militärübung rund um Taiwan am Mittwoch offenbar beendet. "Alle geplanten Aufgaben der Übungen, die am 1. und 2. April durchgeführt wurden, sind abgeschlossen", erklärte ein Sprecher des für Einsätze entlang der Strasse von Taiwan zuständigen Militärkommandos am Mittwoch, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Ziel der Übung war es laut Armeeangaben, "die Fähigkeiten der Soldaten" in Bereichen wie "Blockade und Kontrolle" sowie "Präzisionsschläge auf wichtige Ziele" zu testen.

Das Manöver, das mit simulierten Angriffen auf Häfen und Energieinfrastruktur endete, wurde international scharf kritisiert. Am zweiten Tag bekam die Übung einen Namen verpasst: "Strait Thunder-2025A" – übersetzt: "Meerengen-Donner-2025A", in Anlehnung an die Taiwanstrasse. Denn: Die Übung erfolgte im mittleren und südlichen Teil der für den weltweiten Schiffsverkehr wichtigen Strasse von Taiwan.

Wegen des Namens wird nun vermutet, dass es in diesem Jahr noch eine weitere Übung geben könnte – etwa die "Strait Thunder-2025B". Ähnliches erfolgte nämlich bereits im vergangenen Jahr, als die chinesische Armee im Mai unter der Bezeichnung "Gemeinsames Schwert-2024A" um Taiwan trainierte und später noch einmal unter "Gemeinsames Schwert-2024B".

Nach Angaben von Taiwans Verteidigungsministeriums in Taipeh waren Dutzende Schiffe und Flugzeuge an der zweitägigen Übung "Meerengen-Donner-2025A" beteiligt. Taipeh hatte die Manöver verurteilt, die US-Regierung sprach von "Einschüchterungstaktik". China betrachtet das demokratische Taiwan als abtrünnige Provinz, die wieder mit dem Festland vereinigt werden soll – notfalls mit militärischer Gewalt.

Peking-Manöver nur wenige Tage vor Übung Taiwans

Am Dienstag hatte Peking bereits mitgeteilt, dass Luftwaffe, Marine und die Raketen-Einheit rund um Taiwan zu üben begonnen hätten. Taiwans Verteidigungsministerium hatte am Mittwoch bis zum Nachmittag (Ortszeit) mindestens 36 chinesische Militärflugzeuge sowie 21 Kriegsschiffe – darunter den Flugzeugträger "Shangdong" – und zehn Schiffe der Küstenwache vor seinen Inseln entdeckt.

Peking hielt sein überraschendes Manöver nur wenige Tage vor Taiwans geplanter Übung vom 5. bis 18. April ab. Dabei will das taiwanische Militär Szenarien simulieren, die eine mögliche Eskalation von Übungen Chinas bis hin zu einer tatsächlichen chinesischen Invasion beinhalten.

Testet China neue Schiffe für Invasion?

Seit längerer Zeit erhöht Peking den Druck auf die faktisch unabhängigge Inselrepublik mit mehr als 23 Millionen Einwohnern. Denn China zählt Taiwan zu seinem Territorium, obwohl das Land seit Jahrzehnten eine von Peking unabhängige und demokratisch gewählte Regierung hat. Die Volksrepublik will sich Taiwan einverleiben und drohte bereits mit dem Einsatz des Militärs, sollte dies nicht auf friedlichem Wege funktionieren.

Anfang des Jahres tauchten zudem Berichte über neuartige chinesische Schiffe auf, die für eine Anlandung in Taiwan dienen könnten. Wie die "New York Times" berichtete, hätten die Kähne ausfahrbare Stelzen, die sich in den Meeresboden stemmen. Hintereinander positioniert und über Brücke verbunden, könnten sie eine Verbindung vom tieferen Wasser bis an die Küste bilden. Dem Bericht zufolge wurden die Kähne bereits in Südchina erprobt.

Internationale Kritik

Taiwans Aussenamt sowie Präsident Lai verurteilten das Manöver. Kritik kam ausserdem aus Brüssel. Die Übungen erhöhten die Spannungen in der Taiwanstrasse, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Dienstes der EU. Auch die USA kritisierten Chinas Übung. Sie sind Taiwans wichtigster Verbündeter und haben sich verpflichtet, die Verteidigung des Landes zu unterstützen.

Tammy Bruce, Sprecherin des US-Aussenministeriums, erklärte, dass Chinas aggressive militärische Aktivitäten und Rhetorik gegenüber Taiwan nur dazu dienen, die Spannungen zu verschärfen und die Sicherheit in der Region und den Wohlstand der Welt zu gefährden. Angesichts dessen blieben die USA ihrem Partner Taiwan weiter verpflichtet. (dpa/afp/lc)