Zum ersten Mal seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine hat Kremlchef Wladimir Putin mit westlichen Journalisten gesprochen. Er verteidigte die Zusammenarbeit mit der AfD und drohte mit einer "asymmetrischen Antwort", sollte sein Land von der Ukraine mit vom Westen gelieferten Waffen angegriffen werden.
Kremlchef
In der Vergangenheit hatte etwa der russische Aussenminister Sergej Lawrow den AfD-Co-Vorsitzenden
Wenn sich jemand für normale Beziehungen zu Russland einsetze, dann unterstütze Moskau das, so Putin. Es sei dabei nicht Sache Russlands zu bewerten, ob eine politische Kraft sich im Rahmen der Verfassung bewege. "Wir sehen aber nichts, was bei uns Besorgnis auslösen würde."
Kanzler-Statement zu Putins Lob für AfD
Bundeskanzler
Bereits seit Jahren äussern sich führende AfD-Politiker immer wieder Moskau-freundlich. Parteichefin Alice Weidel forderte am Donnerstag im Bundestag eine diplomatische Lösung des Ukraine-Krieges. Der Regierung sowie der Union warf sie "verantwortungslose Eskalationsrhetorik" vor. Gegen die Europa-Spitzenkandidaten Maximilian Krah und Petr Bystron gibt es Vorwürfe der Geldannahme aus Russland.
Russische Antwort auf deutsche Entscheidung?
Putin ist derzeit Gastgeber des St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums, einem jährlichen Treffen von Unternehmern aus aller Welt. Im markanten Wolkenkratzer Lachta-Zentrum des Gasriesen Gazprom stellte er sich am Mittwoch erstmals seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine vor über zwei Jahren den Fragen von Vertretern grosser internationaler Nachrichtenagenturen, darunter die Deutsche Presse-Agentur.
Dabei machte Russlands Staatschef auch klar, dass es für ihn eine direkte Konfliktbeteiligung Deutschlands und anderer westlicher Staaten darstellt, wenn russisches Staatsgebiet von der Ukraine mit aus dem Westen gelieferten Waffen angegriffen wird. Er warnte vor einer "asymmetrischen Antwort." Konkret sagte Putin, dass Moskau über eine Stationierung seiner Waffen in anderen Weltregionen nachdenke, von wo aus sie für Angriffe gegen die Länder genutzt werden könnten, aus denen die gegen Russland gerichteten Waffen kommen.
"Wir denken darüber nach, dass falls jemand es für möglich hält, Waffen in die Kampfzone zu liefern, um Angriffe auf unser Gebiet durchzuführen (...), warum wir dann nicht das Recht haben sollten, solche Waffen in Weltregionen aufzustellen, wo Angriffe auf sensible Objekte derjenigen Länder ausgeführt werden, die das in Bezug auf Russland tun?", sagte Putin.
Hintergrund ist, dass zuletzt mehrere Länder – darunter Deutschland und die USA – Kiew erlaubt haben, mit aus dem Westen gelieferten Waffen russische Ziele anzugreifen, um Angriffe auf die Metropole Charkiw im Grenzgebiet abzuwehren.
Kremlchef warnt vor Taurus-Lieferung an Ukraine
Putin warnte zudem vor einer möglichen Lieferung von deutschen Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine. "Wenn nun gesagt wird, dass (in der Ukraine) auch noch irgendwelche Raketen auftauchen, die Angriffe auf Objekte auf russischem Gebiet durchführen können, dann zerstört das natürlich endgültig die russisch-deutschen Beziehungen", sagte der 71-Jährige. Putin war nach Moskaus Reaktion im Falle einer Lieferung der weitreichenden Taurus-Marschflugkörper durch Berlin an Kiew gefragt worden.
Eine Taurus-Lieferung ist in der Vergangenheit immer wieder von verschiedenen Seiten gefordert worden, damit die Ukraine sich besser gegen den russischen Angriffskrieg verteidigen kann, der seit mehr als zwei Jahren anhält. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) aber hat sich bislang immer dagegen ausgesprochen.
Putin weicht Frage nach Gefallenen aus
Auf eine Frage zur Zahl der russischen Verluste antwortete Putin ausweichend. Die Zahl der Toten liege auf russischer Seite deutlich unter der bei den ukrainischen Streitkräften. Im Verhältnis 1:5, behauptete Putin.
Die ukrainische Seite dagegen betont, dass deutlich mehr russische als eigene Soldaten fielen in dem Krieg. Die Ukraine beziffert die Zahl der getöteten und verletzten russischen Soldaten auf mehr als eine halbe Million. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte im Februar die Zahl der getöteten Soldaten in den eigenen Reihen mit 31.000 angegeben. Unabhängig liess sich das nicht überprüfen. (dpa/mcf/cgo/lag)
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