Die französisch-schweizerische Schauspielerin und Regisseurin Laetitia Dosch hat gerade erst den Schweizer Filmpreis als beste Darstellerin bekommen - für ihre Hauptrolle in der Komödie "Le procès du chien". Jetzt startet der Film in den Deutschschweizer Kinos.
In dem tragikomischen Film übernimmt Dosch als Anwältin Avril den Fall des Hundes Cosmos. Dieser hat eine Frau gebissen. Seine Anwältin will nun verhindern, dass er eingeschläfert wird.
Für "Le procès du chien" hat Dosch zudem selber als Co-Autorin das Drehbuch geschrieben, und der Film ist ihr Regiedebüt. Für diese Doppelrolle hat sich Dosch von Regisseurinnen und Regisseuren wie Nanni Moretti, Louis C. K. und Phoebe Waller-Bridge, der englischen Regisseurin und Schauspielerin der Serie "Fleabag", inspirieren lassen.
"Sie haben ihre eigenen Drehbücher geschrieben und interpretiert", sagte Dosch der Nachrichtenagentur Keystone-SDA anlässlich der Premiere ihres Filmes in Cannes vor rund einem Jahr.
Beziehung zwischen Mensch und Tier
Zum Thema von "Le procès du chien" sei sie gekommen, weil ihr "jemand eine Geschichte über einen Prozess, in den ein Hund verwickelt war und in dem sein Herrchen angeklagt wurde" erzählt habe. "Es hat mich interessiert, mir vorzustellen, dass der Hund als Individuum und nicht als Sache behandelt würde und dass sein Prozess stattfinden würde", so Dosch
So stellt sich die Anwältin Avril im Film denn auch die Frage: "Sind Tiere Dinge oder Individuen?" Nach Schweizer Recht gelten Tiere als Sache, "weshalb man sie töten und essen darf", sagte Dosch. Mit der Beziehung zwischen Mensch und Tier hat sie sich im Übrigen nicht zum ersten Mal beschäftigt.
Die 44-jährige Dosch hat an der Hochschule für Schauspiel La Manufacture in Lausanne studiert. Am Festival Theaterformen in Hannover hat sie 2019 ihr eigenes Stück "Hate" aufgeführt - auf der Bühne nur sie selbst und ein hellgrau-schwarzer Wallach namens Corazón. Im Dialog mit dem Pferd geht es um Feminismus, Klimawandel, Rollenbilder, um Körper, Gewalt, Lust und Intimität.
"Komödie erschien mir angemessen"
Für ihren ersten Film wählte Dosch nun das Genre Komödie. Die Themen sind weitgehend die selben geblieben: Feminismus, Ökologie und der Status von Tieren. "Die Komödie erschien mir angemessen, weil sie angenehm ist, man hat eine gute Zeit, aber es gibt auch Raum zum Nachdenken und Reflektieren", sagte sie.
Premiere feierte "Le procès du chien" an den letzten Filmfestspielen von Cannes in der Sektion "Un certain regard". Im Herbst hatte das Bundesamt für Kultur den Film zusammen mit dem Coming-of-Age-Drama "Reinas" von Klaudia Reynicke als Schweizer Beitrag für den Auslands-Oscar nominiert und dann "Reinas" den Vorzug gegeben.
Für einen Schweizer Filmpreis war "Le procès du chien" vier Mal nominiert, "Reinas" drei Mal. Bei der Preisverleihung am 23. März siegte Reynickes Film in der Hauptkategorie "Bester Film", und Laetitia Dosch wurde als beste Darstellerin geehrt. © Keystone-SDA