Die Leipziger Buchmesse öffnet ihre Tore. Spannend wird der Nachmittag des ersten regulären Messetages auch aus Schweizer Perspektive.

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Am Donnerstag startet die Leipziger Buchmesse (bis 30.03.). Unter dem Motto "Worte bewegen Welten" will der Branchenanlass zum Lesen animieren. Die schweizerische Buchbranche lädt in Leipzig zu zwei Schweizer Abenden ein und zu zahlreichen Lesungen am Gemeinschaftsstand.

Nichtmütter, Mythen und Marmor, sowie die Möglichkeit von Familie und eine Gegenwart, die gern mehr von ihrer Zukunft wüsste - das sind die Themen des Schweizer Abends am Samstag im Neuen Schauspiel in Leipzig. Auf der Bühne werden Regina Dürig ("Frauen und Steine"), Meral Kureyshi ("Im Meer waren wir nie") und Jonas Lüscher ("Verzauberte Vorbestimmung") sitzen. Anlass für ihre Diskussion ist ihre jeweilige Neuerscheinung.

Die Bedeutung von Schreiben und Widerstand steht im Zentrum des Schweizer Abends am Freitag. Für diesen Abend hat das Projekt "Weiter Schreiben" aus der Schweiz und Deutschland eine Carte Blanche. Das Projekt vernetzt Exilautorinnen und -autoren mit dem jeweils heimischen Literaturbetrieb. Auftreten werden Atefe Asadi, Wagdy El Komy, Dragica Rajčić, Shukri Al Rayyan und Mithu Sanyal.

Schweizerische Präsenz

Darüber hinaus laden der Schweizer Buchhandels- und Verlags-Verband (SBVV) und Pro Helvetia am Gemeinschaftsstand zu insgesamt 19 Lesungen von Autorinnen und Autoren wie Lukas Maisel, Adolf Muschg, Nora Osagiobare oder eben jenen Dreien, die auch am Schweizer Abend auftreten.

Fast vierzig Verlage aus der Schweiz treten am Gemeinschaftsstand auf, vom Bilgerverlag über Der gesunde Menschenversand, Diogenes, Edition Moderne, Geparden oder Kein & Aber, bis Rotpunkt oder Verlag die Brotsuppe. Darüber hinaus gibt es Schweizer Verlage, wie der Romance-Verlag Sternensand, der Unionsverlag oder Kampa mit Dörlemann, die mit einem eigenen Stand in Leipzig präsent sind.

Spannend wird der Nachmittag des ersten regulären Messetages (27. März) auch aus Schweizer Perspektive. Dann nämlich wird der mit 15'000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse in drei Kategorien vergeben. In der Sparte Belletristik tritt der Schweizer Autor Christian Kracht mit seinem Roman "Air" gegen Kristine Bilkau ("Halbinsel"), Esther Dischereit ("E in Haufen Dollarscheine"), Wolf Haas ("Wackelkontakt") und Cemile Sahin ("Kommando Ajax") an.

Norwegens vielfältige Literatur

Gastland der Leipziger Buchmesse ist in diesem Jahr Norwegen. Das literarische Motto dieses Auftritts lautet "Traum im Frühling". Die Skandinavier präsentieren fast 50 Autorinnen und Autoren, darunter Stars wie Karl Ove Knausgård und Maja Lunde. Es sei aber ausdrücklich das Ziel des Gastland-Auftritts, die ganze Vielfalt der norwegischen Literatur abzubilden, sagte Margit Walsø, Direktorin des Verbands "Norwegian Literature Abroad". So haben die Norweger auch viele Kinderbücher im Gepäck.

Die ursprünglich geplante Eröffnung des Gastland-Stands durch Kronprinzessin Mette-Marit am ersten Messetag musste aus gesundheitlichen Gründen abgesagt werden. Der 51-Jährigen mache ihre Lungenfibrose zu schaffen, teilte der norwegische Hof mit. Mette-Marit engagiert sich für die Förderung der norwegischen Literatur und ist seit 2017 offiziell als Botschafterin für norwegische Literatur im Ausland unterwegs.

Beim Lesefestival "Leipzig liest" stehen mehr als 2000 Veranstaltungen auf dem Programm. Die Buchmesse unterstreicht damit ihren Anspruch, vor allem eine Bühne für die Autorinnen und Autoren sein zu wollen. In Leipzig werden die beiden Literatur-Nobelpreisträgerinnen Swetlana Alexijewitsch und Olga Tokarczuk erwartet, aber auch Influencer wie Gazelle und Gialu oder Malte Zierden. Bestseller-Autor Sebastian Fitzek nimmt sich besonders viel Zeit für seine Fans. Am Freitag, Samstag und Sonntag sind jeweils mehrstündige Signierstunden von ihm angekündigt.

Neue "Audiowelt" und Manga-Comic-Con

"Die Entdeckung des Lesens erfolgt auch über das Hören", sagte Buchmesse-Direktorin Astrid Böhmisch. Die Messe hat erstmals eine "Audiowelt" eingerichtet. Auf einer Bühne und in drei Hörinseln können Interessierte audiovisuelle Inhalte vom Hörbuch bis zum Podcast entdecken. Die Messe reagiert mit der Audiowelt aus Sicht von Böhmisch auf eine wichtige Entwicklung in der Branche.

Die Manga-Comic-Con ist eine eigene Messe, aber untrennbar mit der Buchmesse verbunden. Die häufig fantasievoll verkleideten Besucherinnen und Besucher sorgen zwischen den Ständen der klassischen Verlage für Farbtupfer. Die Messe-Leitung setzt auf diese Vermischung und sieht in den zumeist jungen Leuten die Leser der Zukunft. Auf der Manga-Messe selbst reicht das Angebot von Signierstunden über Cosplay bis zum Japanisch-Workshop.

Die Leipziger Buchmesse fällt in diesem Jahr in eine wirtschaftlich herausfordernde Zeit. Der Schweizer Buchmarkt verzeichnete 2024 ein Umsatzminus von 1,8 Prozent und 1,3 Prozent weniger verkaufte Bücher; dafür hat der Handel die Preise um durchschnittlich ein Prozent erhöht. In Deutschland sind die Buchverkäufe um 1,7 Prozent zurückgegangen, die Umsätze haben um 0,8 Prozent zugelegt. Die Buchmesse will nun Werbung für das Lesen machen. (sda/bearbeitet von mbo)