- In einer Talkrunde plaudert BVB-Trainer Edin Terzic über seine bisherige Karriere, die Ziele mit der Borussia und den Haller-Schock.
- Darüber hinaus gewährt er einen Einblick in seine Arbeit und sein Seelenleben.
Am Mittwochabend sass
"Das war ein Riesenschock für uns alle. Als die Diagnose kam, denkst du über sehr viel nach, aber sicher nicht über Fussball. Einen Tag vorher lief
Seine ganz persönliche schwarze Stunde – zumindest aus beruflicher Sicht – erlebte Terzic im Jahr 2017. Damals wurde er als Co-Trainer von Slaven Bilic zusammen mit seinem Chef bei West Ham United entlassen. "Das war das Schlimmste bisher in meiner Karriere. Ich musste alles abgeben: Handy, Auto... - und ohne Verabschiedung. Es war hart, das damals meiner Familie zu erzählen..."
"Ich bin BVB-Fan, und das wird auch immer so sein"
Umso erfreulicher sei deshalb auch der erste Kontakt zu seinem Herzensverein Borussia Dortmund gewesen. "Als Sven Mislinatat und Hannes Wolf anriefen, war das eine Entscheidung von zwei Sekunden. Lars Ricken hat mich dann gefragt, ob ich wissen will, wie viel ich verdiene. Mir war das erst egal. Das wird schon passen. Ihr seid der BVB", so Terzic, der seitdem in unterschiedlichen Positionen für die Borussia arbeitet.
Erst als Co-Trainer von Lucien Favre, dann als dessen Interims-Nachfolger, später als Technischer Direktor - was Terzic im Nachhinein als goldrichtige Entscheidung einordnet. "Ich war froh, weiterhin beim BVB zu arbeiten, und froh, mit
Dass Terzic nun Roses Nachfolger und zum ersten Mal "richtiger" Cheftrainer bei Borussia Dortmund sein darf, befeuere seine Liebe und Hingabe an den BVB nur noch mehr. "Ich bin immer noch BVB-Fan, und das wird immer so sein", so Terzic, der aber auch die Kehrseite der Medaille kennt. "Aber niemand nimmt darauf Rücksicht. Es geht als Trainer darum, so viele Punkte wie möglich zu holen, und das ist meine Aufgabe. Ich war Dauerkartenbesitzer. Dann bin ich in das Fussballgeschäft gerutscht und musste dann diese Emotionalität kontrollieren."
Meisterschaft? "Wir müssen es uns erst verdienen"
Dass der Trainer aufgrund seiner BVB-Vergangenheit keinen Freifahrtschein geniesst und auch mit Kritik wird umgehen müssen, ist dem 39-Jährigen voll bewusst. Allerdings will sich Terzic dabei nicht von allen Seiten angreifbar machen.
"Ich nehme nur Kritik an von Menschen an, die ich jeden Tag sehe. Meine Vorgesetzten und meine Mitarbeiter sollen mich kritisieren", so Terzic. Es gebe auch für ihn selbst nur diese wichtigen Räume: "Der Meetingraum. Dort werde ich kritisiert. Der Meetingraum: Dort kritisiere ich. Der Medienraum: Dort lobe ich."
Der bisher recht positive Saisonverlauf erleichtert Terzic‘ Arbeit natürlich, drei Punkte Vorsprung vor dem Dauer-Meister FC Bayern will der Trainer aber nach sieben Spieltagen weder überbewerten noch zu grosse Hoffnungen auf einen möglichen Titelgewinn schüren. "Es wird Meister, der am Ende die meisten Punkte hat. Ich bin mir sicher, dass der BVB Meister wird. Ich kann nur noch nicht sagen wann. Es kann nicht sein, dass jemand besser ist, weil er fleissiger war, mehr investiert hat oder es mehr gewollt hat. Wir müssen es uns erst verdienen!"
Terzic über Modeste: "Anthony wird unser Top-Stürmer"
Dazu gehört auch die Weiterentwicklung der Mannschaft, die Terzic mit internen Bordmitteln vorantreiben will. Externe Zugänge seien jedenfalls nicht geplant. "Der Kader hat weiterhin Optimierungsbedarf. Das muss aber nicht über den Transfermarkt geschehen, sondern auch auf dem Trainingsplatz."
Dazu gehöre auch, mit vermeintlichen Sorgenkindern wie dem bisher noch verhinderten Torjäger Anthony Modeste nachsichtig umzugehen. "Wir sind glücklich mit ihm", sagt Terzic über seinen Mittelstürmer. "Anthony wird unser Top-Stürmer sein. Wir als Mannschaft müssen seine Waffen nutzen." Wo der Trainer bei Modeste noch erhebliches Steigerungspotenzial vermutet und auch herauskitzeln will, spielt ein anderer wichtiger Spieler längst auf einem absoluten Spitzenniveau. Bei Jude Bellingham geriet Terzic jedenfalls beinahe ins Schwärmen.
"Er steht für alles, wofür wir stehen wollen. Ich weiss, was in ihm steckt. Ich weiss, dass die Rolle als dritter Kapitän Jude sehr stolz macht. Das war kein Geschenk, sondern er hat sich das verdient. Wir sprechen jeden Tag darüber, was wir verbessern können", so Terzic, der auch um die Begehrlichkeiten grösserer Klubs weiss, die Bellingham mit seinen Leistungen weckt.
"Ich denke aber nicht über Angebote nach. Ich bin froh, dass er hier bei uns ist. Ich hoffe, er bleibt noch lange bei uns."
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