Nachdem die Verhandlungen zwischen dem FC Bayern München und Joshua Kimmich nach Monaten nicht zu einer Einigung führten, zog der Verein das Angebot wieder zurück. Wie sieht die Zukunft des Mittelfeldspielers aus?
Für den FC Bayern München könnte das Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart (Freitag, 20:30 Uhr) eine Art Generalprobe sein. Joshua Kimmich wird aufgrund einer Sehnenreizung vermutlich nicht zum Einsatz kommen. Kommende Saison müssen sie möglicherweise komplett auf den Mittelfeldspieler verzichten. Spieler und Verein konnten sich bislang nicht auf einen neuen Vertrag einigen.
Die Konsequenz: Laut der "Bild" hat der FC Bayern das Vertragsangebot zurückgezogen. Dem Mittelfeld-Star soll zu Beginn der Woche mitgeteilt worden sein, dass das ihm vorliegende Angebot nicht mehr gültig ist. Kurz darauf bestätigte Sky den Bericht.
Der Sky-Reporter und frühere Bundesligaspieler Torben Hoffmann erklärte den Hintergrund. "Nachdem die Verträge von Davies und Musiala verlängert worden sind, hatte man die Hoffnung, dass dies die ersten Dominosteine waren." Nun hätte man allerdings bald März und
Matthäus hat Verständnis für den FC Bayern
Der frühere Bayern-Spieler
Umso mehr stellt sich die Frage: Was will Kimmich?
In München hat Kimmich einen hohen Wohlfühlfaktor
In der ZDF-Doku "Joshua Kimmich: Anführer und Antreiber", die im Juni 2024 erschien, erklärte er noch die Vorzüge des FC Bayern: "Ich persönlich identifiziere mich zu 100 Prozent mit dem Verein. München ist eine zweite Heimat für mich geworden. Meine Familie fühlt sich hier total wohl. Ich habe in der Mannschaft Jungs, die sehr, sehr gute Freunde von mir geworden sind", sagte er.
"Für mich ist der Faktor Wohlfühlen sehr wichtig. Natürlich in Kombination damit, dass man sportlich alles erreichen kann. Diese beiden Punkte habe ich hier beim FC Bayern. Ich glaube nicht, dass ich sie Stand jetzt so ausgeprägt woanders auf der Welt haben könnte."
Doch warum unterschrieb er bislang nicht den Vertrag, der ihm wohl mehr als 20 Millionen Euro im Jahr eingebracht hätte? Ist seitdem etwas geschehen, was seinen Blickwinkel verändert hat? Klar ist, dass Kimmich nur bei einem Verein spielen möchte, mit dem er die Champions League gewinnen kann.
Kimmich polterte im Januar: "Wir sind kein Top-Team in Europa"
Möglicherweise haben ihn die Leistungsschwankungen der vergangenen Wochen misstrauisch gemacht. Im Januar sagte er nach der überraschendenden 0:3-Pleite bei Feyenoord Rotterdam: "Wir sind momentan kein Top-Team in Europa."
Diese Aussage mag aus der Emotion heraus getroffen worden sein. Möglich ist aber auch, dass er den Bayern-Kader qualitativ wirklich nicht zu den allerbesten in Europa zählt. Das Weiterkommen gegen Celtic Glasgow in den Playoffs der Champions League war nicht überzeugend. In der Ligaphase verlor man nicht nur gegen Rotterdam, sondern auch gegen Aston Villa und den FC Barcelona.
Aufgrund des auslaufenden Vertrags ist Kimmich im Sommer ablösefrei und daher für viele europäische Top-Vereine eine interessante Option. Er darf seit dem 1. Januar Gespräche mit anderen Vereinen führen. Einzelheiten dazu sind zwar nicht bekannt. Allerdings werden in den Medien unter anderem Real Madrid, der FC Liverpool und Paris Saint-Germain als Interessenten genannt.
Ex-Bundestrainer Löw rät Kimmich zum Ausland
Der ehemalige Bundestrainer
Die Begründung: "Ich habe selbst im Ausland gelebt und habe selbst die Erfahrung gemacht. Wie viel man lernen kann von anderen Kulturen, von anderen Ideen, von anderen Spielphilosophien, Spielstilen, anderen Lebensweisen. Das hat mir in meiner Entwicklung wahnsinnig gutgetan."
Ob Kimmich ähnliche Gedankengänge hat? Im Alter von 30 Jahren wäre dies nun wahrscheinlich die letzte Gelegenheit, noch einmal zu einem europäischen Top-Verein zu wechseln. Andererseits hat Kimmich (im Gegensatz zu Löw) eine Familie mit vier Kindern, sodass ein Wechsel in ein fremdes Land nicht nur ihn betreffen würde.
Zudem hätte Kimmich wohl bei keinem anderen Verein so einen hohen Stellenwert wie beim FC Bayern, wo er als Kapitän der Zukunft betrachtet wird. Tendiert er daher vielleicht doch zu einem Verbleib in München?
Waren sich Kimmich und der FC Bayern bereits einig?
Laut einem Bericht von "ran.de" waren sich beide Seiten bei den Verhandlungen weitestgehend einig. Die Kehrtwende hätte es demzufolge erst nach der Aufsichtsratssitzung am Montag gegeben. Möglicherweise erfolgte dort der Beschluss, das Angebot auf keinen Fall nachzubessern und auf eine schnelle Antwort zu drängen.
Oder gab es sogar ein Veto gegen den ausgehandelten Deal, weil dem Gremium die Gesamtkosten zu hoch waren?
Sollte Letzteres der Fall sein, könnte dies das Vertrauensverhältnis zwischen Spieler und Verein stark verschlechtern. Völlig unbelastet ist die Beziehung ohnehin nicht. Kimmich bemängelte bereits die mangelnde Rückendeckung, als er sich während der Corona-Pandemie zunächst nicht impfen liess. Sollte nun der Aufsichtsrat eine Vertragseinigung verhindert haben, könnte dies ein Tiefpunkt im Verhältnis zwischen Kimmich und dem FC Bayern sein.
Vieles ist also noch ungewiss. Sicher ist nur eines: Die Wahrscheinlichkeit auf einen Verbleib von Kimmich beim FC Bayern ist mit dem gestrigen Tag stark gesunken.
Verwendete Quellen
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