Thomas Müller ist weder ein Ausnahmeathlet noch technisch aussergewöhnlich begabt. Trotzdem ist der 35-Jährige schon jetzt einer der besten und erfolgreichsten Spieler in der Geschichte des FC Bayern München und des DFB.
"Er ist durchschnittlich schnell. Seine Technik ist Durchschnitt. Sein Dribbling ist Durchschnitt", urteilt der langjährige Bayern-Boss
Müller ist zweifellos ein Phänomen. Sein Torriecher und sein Spielverständnis sind ebenso einzigartig wie sein Lausbuben-Charme, den sich der Weltmeister von 2014 auch im fortgeschrittenen Fussballer-Alter bewahrt hat. "Thomas Müller – Einer wie keiner", der Titel der neuen Dokumentation, die am 4. März auf Prime Video veröffentlicht wird, ist deshalb ziemlich treffend. In knapp 90 Minuten geht die Doku auf Spurensuche, was den Fussballer und den Menschen Thomas Müller ausmacht.
Keine Langeweile dank Spielfilm-Format
Eines vorneweg, die Laufzeit ist eine der grössten Stärken von "Einer wie keiner". Während viele Fussball-Dokus im Serien-Format deutliche Längen haben, ist der abendfüllende Spielfilm sehr kurzweilig geraten.
Was natürlich in erster Linie an Müller selbst liegt, aber auch an seiner Familie. Mutter Klaudia, Vater Gerhard und Bruder Simon haben offensichtlich genauso viel Spass am Erzählen wie Müller selbst.
Die Kamera ist auch dabei, wenn im Wintergarten der Müllers intensiv über Fussball und die jüngsten Leistungen des berühmten Familienmitglieds diskutiert wird. "Ich sehe das immer noch als meinen Erziehungsauftrag, ihn daran zu erinnern, dass er nicht der Allergrösste ist", sagt Mutter Klaudia lachend und man ahnt, woher Thomas Müller seinen Humor hat.
Die Müllers öffnen ihr Privatarchiv
Die spannendsten Aufnahmen stammen ebenfalls aus dem Privatarchiv der Müllers. Der kleine Thomas spielt in seinem oberbayerischen Heimatdorf Pähl auf einer Wiese zwischen Landmaschinen Fussball, er füttert Kühe im Stall. Mit seinem Bruder zockt er an der Playstation, die Bettwäsche im Kinderzimmer ist natürlich vom FC Bayern.
"Die Menschen meinen, wenn jemand im Fernsehen rumläuft, ist er öffentliches Eigentum, und lassen einen sehr wenig in Ruhe."
Nur Müllers Ehefrau Lisa ist der Trubel um ihren Mann offensichtlich nicht ganz geheuer. Privatsphäre habe man nicht mehr, sagt sie: "Die Menschen meinen, wenn jemand im Fernsehen rumläuft, ist er öffentliches Eigentum, und lassen einen sehr wenig in Ruhe."
Die Dressurreiterin und Jugendliebe Müllers zog sich Ende letzten Jahres aus der Öffentlichkeit zurück und löschte unter anderem alle Bilder bei Instagram.
Als sich die beiden zwischenzeitlich nicht mehr gegenseitig mit ihren Social-Media-Accounts folgten, gab es Gerüchte um eine Ehekrise. Der Film leistet hierzu keine Aufklärungsarbeit, die beiden werden als glückliches Paar gezeigt.
Müller-Wechsel nach Saudi-Arabien war offensichtlich ein Thema
Ansonsten wird aber wenig ausgespart, "Einer wie keiner" wirkt deshalb authentischer als viele andere Fussball-Dokus. Die Kamera ist auch dabei, als Müller mit seinem Berater Ludwig Kögl über einen möglichen Wechsel nach Saudi-Arabien spricht.
"Finanzstark sind die scho'", sagt Müller: "Aber die Euro ist dann natürlich definitiv weg. Ich muss jetzt mal schauen, wie es mit dem
Interviews mit hochkarätigen Gesprächspartnern
Von diesem Punkt aus blickt der Film zurück auf Müllers Karriere, langjährige Weggefährten wie Uli Hoeness, Louis van Gaal, Pep Guardiola,
Auch wenn Müllers grosse Spiele Fussballfans präsent sind und viele der Anekdoten über ihn bekannt sind, erfährt man dennoch Neues. Etwa wenn Müller über seine Gefühlslage beim dramatisch verlorenen Champions-League-Finale 2012, dem "Drama dahoam", spricht.
Löw präsentiert handgeschriebenen Zettel mit Bitte von Müller
Oder wenn Ex-Bundestrainer Löw einen handgeschriebenen Zettel präsentiert, den ihm Müller nach seinen drei Toren gegen Portugal bei der WM 2014 unter der Tür durchschob. Darauf steht die Bitte an den Bundestrainer, einen Flug mit dem Helikopter zum Golfplatz zu erlauben. Als Löw zunächst Bedenken hat, verweist Müller auf "drei gute Argumente", die für ihn sprechen.
Genau wegen dieser besonderen Momente eines besonderen Typen ragt "Thomas Müller – Einer wie keiner" aus der Masse der streambaren Fussball-Dokus heraus.
Verwendete Quellen:
- Vorabsichtung von "Thomas Müller – Einer wie keiner", ab 4. März auf Prime Video
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