Eigentlich scheint Borussia Dortmund auf dem zehnten Platz schon alle Champions-League-Träume begraben zu können. Doch der Abstand zu Platz vier ist nicht gross. Das Glück des BVB: Keines der Teams auf den vorderen Plätzen kann sich wirklich bedingungslos für das internationale Geschäft empfehlen.

Eine Analyse
Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Julian Münz sowie ggf. von Expertinnen oder Experten einfliessen. Informieren Sie sich über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Nicht jeder Fussballfan beschäftigte sich am vergangenen Wochenende in erster Linie mit Fussball, schliesslich stand am Sonntag auch die vorgezogene Bundestagswahl an. Wer also am Sonntagabend bei den Wahlsendungen und nicht beim Topspiel zwischen Bayern und Frankfurt einschaltete, wird dabei in das ein oder andere ratlose Gesicht geblickt haben. Keine der grossen Parteien konnte restlos zufrieden sein – eine Situation, die an die Teams der oberen Tabellenhälfte in der Bundesliga erinnert. Auch hier gibt es von Platz vier bis ins Tabellenmittelfeld viele aussichtsreiche Kandidaten, doch so wirklich für das internationale Geschäft empfehlen konnte sich noch keiner.

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Am Beispiel von Borussia Dortmund zeigt sich das besonders: Zwei Spiele hat der BVB seit dem Ende der Winterpause gewonnen und trotzdem ist er nach seinem überzeugenden Sieg gegen Union Berlin wieder mittendrin im Kampf um die europäischen Plätze. Nur sieben Punkte trennen den aktuellen Zehntplatzierten vom SC Freiburg auf Platz vier. Der BVB hat Glück, denn er ist nicht der einzige Verein, bei dem es zuletzt und aktuell nicht wirklich glattläuft.

RB Leipzig fehlt die Torgefahr

Die Baustellen der Teams sind zahlreich, jeder Klub hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. RB Leipzig sucht verzweifelt nach echter Torgefahr, mit der man auch die Spiele gegen schwächere Abstiegskandidaten wieder für sich entscheiden kann – fünf torlose Unentschieden, meist gegen Teams aus der unteren Hälfte der Tabelle sprechen für sich. Nur die gleichzeitigen Schwächen der anderen Mannschaften sorgen dafür, dass sich Marco Rose trotz nur eines Sieges in sechs Rückrundenspielen noch keine grossen Sorgen um das europäische Geschäft machen muss.

Mönchengladbach und Wolfsburg hingegen mischen vor allem dank ihrer torgefährlichen Stürmer Tim Kleindienst (14 Tore) und Mohammed Amoura (neun Tore) wieder oben mit. Abgesehen davon aber ist Inkonstanz der konstante Faktor in der Saison der beiden Teams. Dass die Klubs so weit oben mitspielen, hätte noch im Herbst, als etwa die Fohlenelf auf Platz 14 eher in Richtung Abstiegskampf schielte, kaum jemand für möglich gehalten.

VfB Stuttgart wackelt nach starken Phasen immer wieder

Das grosse Überraschungsteam der vergangenen Saison, der VfB Stuttgart, tut sich wiederum schwer, einen wirklichen Lauf zu starten. Immerhin beachtlich: Ein One-Hit-Wonder ist der VfB nach der Vizemeisterschaft 2023/24 und dem Comeback in der Champions League ganz bestimmt nicht. Trotzdem zollten die Schwaben sowohl den Abgängen von Schlüsselspielern wie Serhou Guirassy und Waldemar Anton sowie der erstmaligen Dreifachbelastung des jungen Teams Tribut. Immer wenn die Schwaben in dieser Saison die Chance hatten, auf Platz vier vorzurücken und dort vielleicht sogar ein kleines Polster zu den anderen Klubs aufzubauen, hakte der Stuttgarter Motor plötzlich wieder.

So wirklich zufrieden ist man deshalb wahrscheinlich aktuell nur in Mainz und Freiburg – den beiden Klubs, die man vor der Saison wohl ganz sicher nicht im Champions-League-Rennen vermutet hätte. Gerade die Mainzer spielen unter Trainer Bo Henriksen frei auf, Jonathan Burkardt und Nelson Weiper begeistern die Fans nicht erst seit der Karnevalszeit. Trotzdem profitiert der FSV aktuell von einem relativ entspannten Startprogramm der Saison, die Spitzenteams der Liga kommen erst kurz vor Saisonende.

Freiburg mit Minimalismus in die Champions League?

Dem SC Freiburg reichte der erste wirklich vollends überzeugende Sieg in der Rückrunde gegen Werder Bremen, um direkt auf Platz vier zu springen. Zwar hatten die Freiburger auch die drei Spiele davor gewonnen, dass darunter mit Bochum, Heidenheim und St. Pauli nicht die stärksten Gegner der Liga waren und bei den drei 1:0-Siegen auch ein kleines bisschen Spielglück mit dabei war, weiss man aber auch im Breisgau.

Nicht schlimm, denn mit der Champions League wollen die beiden Überraschungsteams der Liga offiziell sowieso (noch) nichts zu tun haben. "Ich bin immer langweilig", schmetterte Mainz-Trainer Henriksen nach dem Sieg gegen den FC St. Pauli gegenüber der "Sportschau" die Frage nach neuen Zielen im Höhenflug ab. Alles kann, nichts muss, gilt bei Mainz und in Freiburg – auch keine gefestigten Kandidaten für die Champions League also.

Auch Frankfurt ist nicht konstant

Und selbst Eintracht Frankfurt, der Klub, der zu Beginn der Saison sogar noch auf Augenhöhe mit Bayern und Leverkusen zu sein schien, spielt derzeit alles andere als konstant und kann die Reiseplanungen ins europäische Ausland im nächsten Jahr noch nicht starten. Die deutliche Niederlage gegen den FC Bayern am Sonntagabend reiht sich in viele Partien ein, in denen die Frankfurter nach dem Abgang von Toptorjäger Omar Marmoush eher blass blieben, darunter etwa gegen die TSG Hoffenheim oder Borussia Mönchengladbach. Trotzdem: Solange von unten kein Druck kommt, fühlt sich die Eintracht auf Platz drei, mittlerweile deutlicher hinter der Spitze, ganz wohl.

Und so ist tatsächlich der BVB mit seinem Sieg am Wochenende gegen den 1. FC Union Berlin wieder voll im Kampf um die europäischen Plätze dabei. Sieben Punkte fehlen dem Zehntplatzierten auf den Viertplatzierten aus Freiburg. Das ist immerhin weniger als der Abstand im Meisterschaftskampf zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Bayern (acht Punkte). Eine Siegesserie zur richtigen Zeit und die Dortmunder sind wieder mittendrin im Schneckenrennen um die Champions League.

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