Drei Monate vor der Frauen-EM 2025 in der Schweiz unternehmen Bundestrainer Christian Wück und Linda Dallmann einen verbalen Qualitätscheck der DFB-Frauen.

Eine Analyse
Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Marie Schulte-Bockum sowie ggf. von Expertinnen oder Experten einfliessen. Informieren Sie sich über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Zunächst wollte sich Christian Wück nicht locken lassen, als drei Monate vorm Start der Europameisterschaft die Frage aufkam, wo er die DFB-Frauen aktuell sieht auf einer Skala von eins bis zehn, "wenn zehn ein 2:0-Sieg gegen die Spanierinnen" ist, wie Anna Dreher von der "Süddeutschen" den Bundestrainer fragte.

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Der Coach, der die Frauen-Nationalmannschaft im vergangenen Herbst vom Interimstrainer Horst Hrubesch übernommen hatte, rettete sich erst einmal in die üblichen Plattitüden.

Wück über Bundestrainer-Job: "Habe mir das einfacher vorgestellt"

"Wir haben eine Entwicklung angestossen mit der Art und Weise, wie wir Fussball spielen, wie wir Fussball interpretieren wollen. Die Spieler stehen dahinter", sagte der Trainer, der die U-17-Jungs 2023 zum WM-Titel geführt hatte und grundsätzlich immer genderneutral von "Spielern" spricht, wenn es um sein Personal geht.

Der 51-Jährige erklärte noch, dass sein Job eben nicht leicht sei, weil ja alle Profis in verschiedenen Vereinen unter verschiedenen Trainer verschiedene Taktiken spielen. Daher: "Das dauert ein bisschen, ich habe mir das ein bisschen einfacher vorgestellt."

"Ich glaube schon, dass das am Selbstbewusssein der Spieler ein bisschen kratzt."

Christian Wück über das Champions-League-Ausscheiden der deutschen Klubs

Auch das klare Ausscheiden der deutschen Klubs VfL Wolsburg (1:4 zu Hause, 1:6 bei Barca) und des FC Bayern (0:2 daheim, 1:4 in Lyon) im Viertelfinale der Champions League sei da "natürlich nicht förderlich gewesen", merkte Wück an. "Ich glaube schon, dass das am Selbstbewusstsein der Spieler ein bisschen kratzt", sagte er, während Bayern Münchens Linda Dallmann, die neben ihm sass, eine etwas schmerzvoll-verschreckte Miene zog.

Dann aber kam plötzlich doch noch Wücks Wertung der DFB-Frauen. "Wenn man über die Skala reden möchte, dann würde ich mal eine 6,5 bis 7 angeben." Nicht schlecht für eine talentierte Auswahl an Fussballerinnen, die noch drei Monate bis zum ersten EM-Spiel gegen Polen am 4. Juni hat. Genug Zeit, für den wück'schen Feinschliff und hoffentlich auch für die Rückkehr der aktuell verletzten Lena Oberdorf.

Bayern-Star Linda Dallmann: "Können mit jeder Nation mithalten"

Eine der dienstältesten DFB-Frauen ist übrigens Dallmann, die noch grösseren Optimismus ausstrahlte als ihr Trainer.

Die Frage, wie es um den deutschen Fussball generell und um die deutsche Nationalmannschaft steht, beantwortete die Spielmacherin wie folgt: "Ich glaube, als bestes Beispiel kann man das Freundschaftsspiel gegen England im Wembley sehen. Da hatten wir gerade erst ein paar Tage trainiert [unter dem neuen Bundestrainer Wück, d. Red.], hatten eigentlich wenig Struktur. England ist in Bestbesetzung angetreten und wir haben gewonnen und top gespielt."

"Wir waren alle Feuer und Flamme. Das ist die Eigenschaft, die Deutschland schon immer hatte."

Linda Dallmann über den Sieg gegen England

An Ort und Stelle des verlorenen EM-Finals 2022 habe das Team im Oktober beim 4:3-Sieg im Wembley gezeigt: "Wir waren alle Feuer und Flamme. Das ist die Eigenschaft, die Deutschland schon immer hatte. Diese Mannschaft bringt immer Energie und Feuer mit."

Dallmann freue sich immer riesig aufs Zusammenkommen aller Profis bei der Nationalmannschaft. "Deshalb kann man die Nationalmannschaft und den deutschen Fussball an sich nicht vergleichen [...] Ich glaube, wir [das DFB-Team, d. Red.] können mit jeder Nation mithalten."

Verwendete Quellen:

  • Digitale Pressekonferenz der DFB-Frauen mit Christian Wück und Linda Dallmann am 3. April 2025