Seit neun Jahren ermittelt Martin Brambach in der Rolle des Kommissariatsleiters Peter Michael Schnabel im Dresdner "Tatort". Seine Charakterrolle als Vertreter der alten Schule in der Krimireihe ist nicht das Einzige, was ihn mit seiner Geburtsstadt Dresden verbindet. Brambach widmet Sachsens Landeshauptstadt jetzt ein ganzes Buch.
Neues Gefüge in der Dresdner "Tatort"-Mordkommission: Wie geht es nach Karin Gorniaks Abschied weiter für das Team um Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel? Darüber haben wir mit Schauspieler Martin Brambach gesprochen.
Im Interview verrät der 57-Jährige, der den nicht ganz zeitgemäss denkenden Kommissar verkörpert, wie sich diese "äusserst schwierige Situation" auf seine Rolle auswirkt.
Zudem spricht
Herr Brambach, mit "Nice to meet you, Dresden" haben Sie Ihrer Geburtsstadt ein Buch gewidmet. Wie würden Sie uns Dresden mit nur wenigen Worten beschreiben?
Martin Brambach: Als eine der schönsten Städte der Welt.
Im Vorwort des Buches schreiben Sie, dass Sie zunächst etwas skeptisch waren, als die Anfrage kam, einen Reiseführer über Dresden zu schreiben. Was hatte es damit auf sich?
Die Skepsis kam daher, dass ich nicht in Dresden lebe, sondern nur die ersten Jahre meiner Kindheit dort verbracht habe. Anders als bei meinem Buch über das Ruhrgebiet ("Nice to meet you, Ruhrgebiet"; Anm. d. Red.), wo ich viele Orte kenne und meine Fahrrad-Strecken, die im Buch beschrieben werden, auch wirklich selber gefahren bin. Ich dachte, ich könnte meinem Anspruch vielleicht nicht genügen, zumal Dresden ja noch viel reicher an geschichtsträchtigen Orten und architektonischen Highlights ist. Dass ich mich am Ende doch entschloss, dieses Buch zu machen, hatte zutiefst egoistische Motive (lacht).
Brambach möchte die TV-Zuschauer zum Schmunzeln bringen
Inwiefern egoistisch?
Ich wollte in dieser wunderbaren Stadt Zeit verbringen, mir meine Geburtsstadt besser erschliessen und vor allem das Dresden meines Vaters kennenlernen und mehr über meine Familiengeschichte herausfinden.
Am Ende des Buches findet sich ein Mini-Dolmetscher Sächsisch. Gibt es einen typisch sächsischen Satz, mit dem sich Besucher und Besucherinnen in Dresden in die Herzen der Einheimischen sächseln können?
Da sich oft ein bisschen über den sächsischen Dialekt lustig gemacht wird, sollte man vorsichtig sein und auf die richtige Aussprache achten. Dabei werden die harten Konsonanten zu weichen – das P wird zu B und das K zu G: "Gonsonandenschinder". Wer es sich dann zutraut, kann ja mal versuchen: "Eiferbibsch die Dämmse is nüsch zu ertrachen" zu sagen (lacht).
Heute leben Sie mit Ihrer Familie in Recklinghausen. Einen "Nice to meet you"-Reiseführer über das Ruhrgebiet gibt es zwar bereits – würde Ihr Recklinghausen-Wissen dennoch für einen Reiseführer über die Stadt ausreichen?
Ich lebe seit 20 Jahren in Recklinghausen, da könnte ich sicher auch eine Menge erzählen.
Mit Dresden verbindet Sie natürlich auch Ihre Rolle des Kommissariatsleiters Peter Michael Schnabel im Dresdner "Tatort". Müssen Sie beim Lesen der Drehbücher auch mal über Schnabels Eigenarten und seine nicht ganz zeitgemässen Denkansätze schmunzeln?
Ich hoffe, dass am Ende die Zuschauer schmunzeln … Aber natürlich haben wir bei der Arbeit auch grosse Freude an der Figur des Peter Michael Schnabel und seinen manchmal unzeitgemässen Einwürfen. Ich finde, das Wichtigste, was man mit einer Figur im Fernsehen erzählen kann, ist Ambivalenz und Scheitern. Und das nicht nur, weil es unterhaltsam ist und auch lustig sein kann, Menschen zu sehen, die scheitern.
Wir haben alle viele Seiten und zum Teil sehr widersprüchliche Eigenschaften, und das Scheitern ist doch die Urerfahrung und eher der Normalfall. Und natürlich gibt es auch Dinge, die mich mit der Figur verbinden – wenn ich beispielsweise länger im Auto sitze, kann es passieren, dass ich mich über irgendeine Kleinigkeit genauso echauffiere wie Schnabel, wenn er sich über seine Mitarbeiter aufregt.
"Natürlich gibt es immer noch Raum für Schnabels herrliche Ausbrüche …"
Zuletzt hat Ihre Kollegin
Karins Ausstieg ist natürlich eine äusserst schwierige Situation für meine Figur, für die ja die Reibung mit den zwei Mitarbeiterinnen durchaus existentiell war. Das Schöne ist aber, dass Schnabel jetzt sehr viel mehr Raum bekommt, mehr ermitteln muss und Cornelia Gröschel eine grossartige Kollegin ist, mit der ich ein paar neue Seiten an dieser wunderbaren Figur Schnabel entdecken darf.
Wir haben auch schon zwei aufregende und sehr unterschiedliche Filme ohne Karin gedreht, und ich bin sehr gespannt, wie diese beim Publikum ankommen. Aber natürlich gibt es immer noch Raum für Schnabels herrliche Ausbrüche …
Lesen Sie auch
Sie stehen nicht nur für den "Tatort" vor der Kamera – dürfen Sie verraten, welche Projekte für Sie in diesem Jahr noch anstehen und worauf das TV-Publikum sich freuen darf?
Ich habe eine herrliche Episodenhauptrolle in der Reihe "Stralsund" für das ZDF drehen dürfen. Dazu kamen noch ein paar andere sehr schöne Projekte, über die ich aber noch nicht reden darf. Zudem habe ich eine sehr humorige Kampagne für den Baumarkt "Toom" drehen dürfen. Ausserdem haben wir zwei sehr sehenswerte "Tatorte" produziert, die voraussichtlich im Herbst dieses Jahres und im Frühjahr 2026 ausgestrahlt werden.
Dazwischen habe ich einige Lesungen und Theaterabende gemeinsam mit meiner Frau, so sind wir etwa mit einem sehr unterhaltsamen Loriot-Programm am 20., 21. und 22.5. am Renaissance Theater in Berlin. Darauf freue ich mich.
Über den Gesprächspartner
- Martin Brambach ist ein deutscher Schauspieler, der neben diversen TV-Rollen in nationalen und internationalen Kino-Produktionen zu sehen ist. Seit 2016 gehört er als Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel zum Ermittler-Team des "Tatort" Dresden. Brambach lebt mit seiner Partnerin, der Schauspielerin Christine Sommer, und seiner Familie in seiner Wahlheimat Recklinghausen.