Er war kapriziös, schräg ohne Ende, laut Truman Capote eine "Sphinx ohne Geheimnis", mal blond-, mal silberhaarig und stets kreidebleich, ohne dabei jemals blass zu sein. Und er war wohl einer der berühmtesten Künstler und schillerndsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Heute wäre Andy Warhol 90 Jahre alt geworden.
Andy Warhol hasste Geburtstage. "Mit 52 Jahren fühlte er sich als Oldtimer, und seine Freundinnen und Freunde mussten ihn sozusagen anflüstern, wen sie ihm gratulierten", erzählte der Kunsthistoriker Tilman Osterwold, der Warhol persönlich kannte, 2008 in einem Interview mit dem "Deutschlandradio". Dass Warhol sein Baujahr gelegentlich ins Jahr 1930, mitunter sogar auf 1933 verschob, fügt sich stimmig in dieses Bild ein. Am 6. August 2018 jährt sich der Geburtstag des am 22. Februar 1987 nach einer Operation verstorbenen Künstlers zum 90. Mal.
Triviales wird museumsreif
Warhol war ein Aussenseiter und Exzentriker, ein Star und ein Paparazzo in Personalunion. Heute gilt der 1928 als
Aus einer Suppenkonserve wird grosse Kunst
Als ihn 1961 ein Kunsthändler dazu motivierte, das zu malen, was ihm am meisten bedeuten würde, dachte Warhol offenkundig gleich ans Essen. Jahrelang hatte er sich Campbell-Suppen, die es in nicht weniger als 32 Geschmacksrichtungen gab, in grossen Mengen verinnerlicht. Sein künstlerischer Output für seine erste Einzelausstellung vor diesem Hintergrund: 32 beinahe identische Bilder der "Campbell’s Soup Cans".
Warhols Ansatz, Alltägliches ins Museum zu bringen, ging zunächst nicht auf – traf sogar eher auf Verständnislosigkeit und Kopfschütteln. Lediglich fünf Käufer ahnten damals das Revolutionäre des kreativen Suppenschöpfers. Einer von ihnen: Der Schauspieler Dennis Hopper.
Gesiebdruckte Stars in allen Farben
"Ich liebe es, das Gleiche immer und immer wieder zu tun", meinte Warhol einst. Und so vervielfältigte, reproduzierte und siebdruckte er im grossen Stil vor sich hin. Eines seiner bekanntesten Werke aus dieser Zeit ist die Abbildung des Werbefotos aus dem Film "Niagara" mit Marilyn Monroe, das jedem von uns bereits in gefühlt 250 Farben begegnet ist. Eine Armada an "James Deans", "Elvissen" & Co. sollten folgen.
Die Factory – Experimentierfeld und Epizentrum des Wahnsinns
Im Jahr 1962 gründete Warhol auch die "Factory" – seine Ateliers, die in verschiedenen New Yorker Fabrikhallen verortet waren und als Experimentierzone, Filmstudio und Partylocation galten, aber auch den Protagonisten seiner Filme als Unterkunft dienten. Grössen wie Jim Morrison, Bob Dylan oder Mick Jagger gingen dort ein und aus.
In dieser Zeit begann Warhol damit, Personen aus seinem direkten Umfeld mit der Kamera zu verfolgen und sie in allen erdenklichen und mehr oder weniger spannenden Situationen zu filmen. "Sleep", sein erster Streifen, zeigt etwa den Beat-Poeten John Giorno über vier Stunden beim Schlafen.
Ein ebenso aussergewöhnliches Highlight dieser Reihe ist der Underground-Experimentalfilm "Empire". Er gibt einem die Möglichkeit, das bekanntlich einigermassen statische "Empire State Building" acht Stunden lang in "sattem" Schwarz-Weiss zu observieren.
Der vermutlich bekannteste Film Warhols ist aber "The Chelsea Girls" von 1966, der schonungslos die Drogenexzesse, psychotischen Schübe und sexuellen Tollheiten der Factory-Bewohner offenbart.
Auch die Musik war in Warhols künstlerischem Leben ein Thema. So protegierte er die Band "The Velvet Underground" (Lou Reed, John Cale, Nico), die er in seinen Ateliers proben liess. Er finanzierte und produzierte auch deren erstes Album und gestaltete das legendäre Bananen-Cover.
Ein Attentat bringt einen neuen Menschen hervor
Ende der 1960er-Jahre dann der Horror: Die geistig verwirrte Frauenrechtlerin Valerie Solanas verübte am 3. Juni 1968 ein Attentat auf den Künstler, der durch mehrere Schusswunden lebensgefährlich verletzt wurde. Warhol überlebte zwar, war nach einem mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt jedoch eine andere Persönlichkeit, die jetzt stark zu Kaufsucht, Sammelwahn und Hypochondrie neigte. Immerhin: Nach dem tragischen Vorfall explodierten die Preise für seine künstlerischen Arbeiten, was ihm natürlich nicht ungelegen kam.
Tod und Erbe
In der Zeit nach dem Attentat widmete sich Warhol wieder vermehrt dem Siebdruck, und in den 1980er-Jahren machte er häufig mit ihm nahestehenden Künstlern wie Francesco Clemente oder Keith Haring gemeinsame Sache. Am 22. Februar 1987 verstarb Warhol jedoch völlig überraschend und unter nie ganz geklärten Umständen an den Komplikationen einer Operation an der Gallenblase. Sein Einfluss damals wie heute? Gross!
Verwendete Quelle:
- Deutschlandradio: Andy war sehr scheu
- NZZ: Die Bekanntschaften des Andy W.
- GEO: Weltveränderer Andy Warhol
- SCHIRN: Andy Warhol und die Medienwelt
- CI-Spuren.de: Das Rätsel Warhol
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