Seit 2007 spielt Francisco Medina – mit Unterbrechungen – in "Alles was zählt" die Rolle des Maximilian Graf von Altenburg. Seit 2024 pausiert der Bösewicht der RTL-Serie. Wir haben mit dem 48-Jährigen über seine Zukunftspläne gesprochen.
2024 verliess Francisco Medina AWZ für unbestimmte Zeit – nicht zum ersten Mal. Eine Rückkehr der beliebten Hauptfigur schliesst er nicht aus – immerhin sollte man in der Welt der Daily Soaps "niemals nie" sagen.
Im Interview spricht Medina über seine Zeit bei "Alles was zählt" und seine weitere Leidenschaft neben der Schauspielerei: die Persönlichkeitsentwicklung. Dabei verrät der Coach, warum er sich ein Coaching-Format im TV wünscht.
Herr Medina, Schauspieler berichten häufig, eine Rolle liesse sich nur dann verkörpern, wenn gewisse Parallelen zur eigenen Person zu erkennen seien. Steckt demnach eine gewisse Portion Francisco Medina in der Rolle des Maximilian von Altenburg bei "Alles was zählt"?
Francisco Medina: Definitiv gibt es immer eine gewisse Verbindung zwischen einem Schauspieler und seiner Rolle. Ich glaube, das lässt sich gar nicht vermeiden, denn man bringt als Schauspieler automatisch seine eigene Energie, Körpersprache und manchmal auch gewisse Denkweisen mit ein. Aber Maximilian und ich sind schon ziemlich unterschiedliche Charaktere – er ist skrupelloser, impulsiver und geht oft aufs Ganze, während ich privat doch eher reflektiert bin. Was uns aber vielleicht verbindet, ist die Leidenschaft für das, was wir tun, und die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden.
Apropos skrupellos, welche war, Ihrer Meinung nach, Maximilians skrupelloseste Intrige in der Serie?
Puh, da gab es wirklich einige! Aber eine der skrupellosesten Intrigen war sicher der Moment, als er damals seine eigene Familie hintergangen hat, um seine Macht zu sichern. Diese Grenzüberschreitungen, bei denen er wirklich bereit war, alles und jeden zu opfern, waren schon heftig. Gerade diese extremen Momente machen die Rolle aber auch so spannend zu spielen.
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Diese Storyline könnte Medina sich für Maximilian von Altenburg vorstellen
Werden Ihnen mit Blick auf Ihre Rolle des Maximilians grundsätzlich eher typische Bösewicht-Rollen angeboten?
Ja, das passiert schon hin und wieder. Sobald man einmal erfolgreich einen Charakter mit Ecken und Kanten gespielt hat, passiert es schnell, dass man in eine Schublade gesteckt wird. Aber für mich ist das keine Einschränkung – es kommt immer darauf an, ob die Figur spannend ist und Tiefe hat. Ein Bösewicht ist ja nicht per se eindimensional. Wenn er gut geschrieben ist und eine interessante Entwicklung durchmacht, dann spiele ich solche Rollen auch sehr gerne. Aber ich lasse mich nicht darauf reduzieren, sondern suche mir die Projekte aus, die mich fordern und inspirieren.
Gibt es eine bisher noch nicht dagewesene Storyline, die Sie sich für Maximilian vorstellen könnten?
Maximilian hat ja schon so einiges durchgemacht, aber eine Undercover-Story fände ich spannend – vielleicht als jemand, der sich in einer völlig neuen Identität wiederfindet und versucht, sich von seiner Vergangenheit loszusagen. Oder etwas, das ihn emotional wirklich bis an seine Grenzen bringt – eine existenzielle Krise, die ihn zwingt, sich komplett neu zu definieren. Das wäre eine Seite von ihm, die ich gerne mal intensiver erforschen würde.
Viele Ihrer Schauspielkollegen und -kolleginnen nehmen alle Jahre wieder an beliebten Formaten wie "Let’s Dance" oder "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" teil. Könnten Sie sich auch vorstellen, bei diesen Formaten mitzuwirken?
"Let’s Dance" fände ich tatsächlich spannend, weil ich es faszinierend finde, wie sich die Teilnehmer dort entwickeln und an ihre Grenzen gehen. Und Tanzen ist ja auch eine tolle Möglichkeit, sich auszudrücken – da wäre ich nicht abgeneigt. Das Dschungelcamp hingegen … puh, sagen wir mal so: Ich bewundere die, die das durchziehen, aber für mich wäre das eher nichts. Ich bin zwar abenteuerlustig, aber Kakerlaken und ekliges Essen? Ich glaube, das muss ich mir nicht unbedingt geben!
Francisco Medina: "Maximilian ist eine Figur mit vielen Facetten"
Das Schöne an Serien wie "Alles was zählt" ist ja, dass es keinen Ausstieg für immer gibt: Können Sie sich ein erneutes Comeback von Maximilian vorstellen?
In der Welt der Daily Soaps sollte man niemals nie sagen! Maximilian ist eine Figur mit vielen Facetten, und es gibt immer wieder neue Möglichkeiten, ihn in die Story einzubinden. Ich habe die Rolle sehr gerne gespielt, und wenn sich der richtige Zeitpunkt und die richtige Geschichte ergeben, warum nicht? Aber jetzt freue ich mich erstmal darauf, neue Projekte anzugehen und mich anderen Herausforderungen zu stellen.
Eines dieser Projekte ist Ihr Arbeit als Coach. Wie kam es, dass Sie diesen Karriereweg eingeschlagen haben?
Meine Kindheit habe ich in der DDR und im diktatorischen Chile verbracht – ich blicke also auf unterschiedliche Kindheitstraumata, die schwer für mich waren und mich stark geprägt haben. In meiner Jugend bin ich beispielsweise zweimal von der Schule geflogen. Mit etwa 18 Jahren hatte ich dann eine Art Erweckungsmoment, als ich in einem Seminar lernte, die Verantwortung für mein Handeln bei mir zu suchen. Bis zu diesem Moment hatte ich mit starken Selbstzweifeln, sogar Hass auf mich selbst, zu kämpfen.
Doch plötzlich konnte ich eine Beziehung zu mir selbst aufbauen, bildete mich weiter und landete schliesslich in der Schauspielerei. Durch den Beruf als Schauspieler fand ich ein Ventil, mich in Menschen hineinversetzen zu können. Parallel habe ich dann verschiedenste Ausbildungen als Coach absolviert – ursprünglich, um sie in die Arbeit als Regisseur einfliessen zu lassen. Doch aus meinem Umfeld kamen immer mehr Anfragen, als Coach tätig zu sein – und so kam der Stein ins Rollen, Coachings nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Menschen anzuwenden.
Ein Coaching-Format fürs Fernsehen?
Irgendwann nahm das Coaching dann eine immer grössere Rolle in Ihrem Leben ein.
So ist es. Ich fokussiere mich in meiner Arbeit auf die Frage, wie man sich selbst am besten kennenlernen kann. Ähnlich wie beim Schauspiel versetze ich mich also in eine Rolle, die es zu verstehen gilt – sowohl mit ihren guten als auch mit ihren schlechten Seiten.
2013 stieg ich dann bei "Alles was zählt" aus, um mich diesem erfüllenden Lebenszweck zu widmen – auch wenn es natürlich viele Menschen gab, die diesbezüglich skeptisch waren. Doch ich wusste: So sehr ich die Schauspielerei liebe, macht Coachen mich vollends glücklich. Heute darf ich in grossen Hallen auftreten und viele Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen coachen, wofür ich sehr dankbar bin.
Welchen Ansatz verfolgen Sie als Coach?
Ich bin kein Fan davon, dass Menschen zu einer besseren Version von sich selbst werden wollen. Mir geht es in meiner Arbeit vielmehr ums Loslassen, da in vielen Menschen der Glaubenssatz herrscht, nicht gut oder liebenswert genug zu sein. Wird also die Ursache für das Verhalten eines Menschen gefunden, kann im nächsten Schritt an Lösungen gearbeitet werden.
Mein Traum ist es, ein Coaching-Format ins Fernsehen zu bringen. Meiner Meinung nach gibt es nichts Unterhaltsameres und Berührenderes, als Menschen dabei zu beobachten, wie sie eine Transformation durchlaufen. Eine Idee und ein Konzept gibt es in meinem Kopf bereits – und auch erste Gespräche mit einem TV-Sender wurden schon geführt. Insofern kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es früher oder später ein Format dieser Art geben wird.
Über den Gesprächspartner
- Francisco Medina ist ein deutsch chilenischer Theater- und Fernsehschauspieler. Seit Oktober 2007 spielt er mit mehreren längeren Unterbrechungen in der RTL-Serie "Alles was zählt". Als Coach leitet er Programme für Schauspieler, Unternehmen und Sportler und tritt als Speaker auf.