Als Fernsehmoderator, Buchautor und Produzent hat Roger Willemsen das öffentliche Leben in Deutschland mitgeprägt. Nach seinem Tod mit 60 Jahren würdigt ihn SPD-Chef Gabriel als "brillanten Intellektuellen".
Der Bestsellerautor und frühere Fernsehmoderator
Demnach war Willemsen bereits am Vortag in seinem Haus in Wentorf bei Hamburg gestorben.
Der Publizist und Fernsehmann gehörte zu den bekanntesten deutschen Intellektuellen. Die Krebserkrankung war bei ihm im August vergangenen Jahres festgestellt worden - wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag. Daraufhin sagte er alle öffentlichen Veranstaltungen ab.
Weggefährten nehmen Abschied
Roger Willemsens Tod berührt auch Kollegen und Weggefährten aus dem Journalismus. Die Moderatorin
Der Blogger, Journalist und Autor
Auch Micky Beisenherz, den meisten bekannt als Autor der RTL-Show "Ich bin ein Star - Hold mich hier raus!", versucht, Willemsens Tod zumindest einen schwachen Trost abzugewinnen:
Würdigende Worte aus der Politik
Auf die Nachricht von Willemsens Tod reagierten auch Spitzenpolitiker betroffen.
"Deutschland verliert einen brillanten Intellektuellen, einen Weltbürger im besten Sinne und eine bedeutende Stimme unseres Kulturlebens – intelligent, pointiert, streitbar", schrieb SPD-Chef
Grünen-Chefin Simone Peter äusserte sich ebenfalls schockiert. "Wir trauern um einen wunderbaren Menschen, um einen wichtigen Intellektuellen, Autor und Moderator", twitterte sie.
Der Linken-Politiker Gregor Gysi würdigte Willemsen als einen der herausragenden Journalisten und Publizisten Deutschlands. "Bestechend waren seine Intelligenz und Klugheit, seine Bildung, seine Beobachtungsgabe, seine Genauigkeit und seine Reaktionsschnelligkeit", erklärte der Bundestagsabgeordnete.
FDP-Chef Christian Lindner twitterte, Deutschland verliere einen seiner spannendsten Köpfe. "Sein kritischer Geist wird fehlen."
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte, Willemsen werde in den grossen gesellschaftlichen Debatten des Landes als intelligente Stimme sehr fehlen. "Als scharfer Beobachter der politischen Verhältnisse hat er auch uns Politikern scharfsinnig einen Spiegel vorgehalten."
Aussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte: "Mit Roger Willemsen verliert Deutschland einen seiner grossen Intellektuellen."
Als "zentralen Intellektuellen Deutschlands" und "brillanten Autor" würdigte ihn der Verlag S. Fischer. Willemsen sei auch ein "ausserordentlicher Kämpfer für die Menschen" gewesen, erklärte der verlegerische Geschäftsführer Jörg Bong.
Ein Shootingstar der Moderatorenwelt
Erfolge feierte Willemsen vor allem mit essayistischen Reisebüchern wie "Die Enden der Welt". Zuletzt landete er mit seinem Buch "Das Hohe Haus" (2014) einen Bestseller. Dafür hatte er ein Jahr lang das Geschehen im Bundestag von der Tribüne als Zuhörer verfolgt.
Im Fernsehen war Willemsen bereits ab 1991 für den Bezahlsender Premiere mit der Gesprächssendung "0137" zum Shootingstar in der Moderatorenwelt avanciert. Die Show galt als "Talk ohne Tabu", angesiedelt zwischen Politik und Boulevard.
Mehr als 600 Interviews führte er: Von Audrey Hepburn bis zu Palästinenserführer Jassir Arafat waren viele Prominente dabei - darunter auch ein Bankräuber. Sein Anspruch, "genau zu sein", und seine besonders einfühlsame Gesprächsführung machten Willemsen und sein Magazin preiswürdig.
1992 wurde er unter anderem mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Im Jahr darauf erhielt Willemsen den Adolf-Grimme-Preis in Gold.
Nach seinem Wechsel zum ZDF nach Mainz moderierte er von 1994 bis 1998 "Willemsens Woche". Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bezeichnete sein Format als "Muster für intelligente, wenn nicht gar intellektuelle Unterhaltung". Im Schweizer Fernsehen moderierte er den "Literaturclub". Mit seiner eigenen TV-Produktionsfirma "Noa Noa" produzierte und koproduzierte Willemsen Themenabende und Preisverleihungen.
Im Sommer 1996 lief im ZDF seine neunteilige Porträtreihe "Willemsens Zeitgenossen". Dafür traf der Journalist unter anderem Quincy Jones, Michel Piccoli, Vivienne Westwood, Philippe Starck und John Malkovich. © dpa
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