An Ostern nimmt "Das Traumschiff" Kurs auf Miami. Sven Martinek spielt einen USA-Auswanderer, der unerwarteten Besuch von seiner Tochter bekommt. Das Gefühl, von der eigenen Tochter, Esther Sedlaczek, überrascht zu werden, kennt der Schauspieler auch aus dem wirklichen Leben.
Seit 13 Jahren ist
Von einem echten Leben in Amerika oder einer Hollywood-Karriere hat der 61-Jährige hingegen nie geträumt, wie er uns verrät. Im Interview spricht Martinek über ein zufälliges Treffen mit Tochter
Herr Martinek, seit Ihrem Durchbruch mit "Der Clown" in den 90ern haben Sie in zahlreichen Filmen und Serien mitgespielt. Warum liess Ihr Debüt auf dem "Traumschiff" so lange auf sich warten?
Sven Martinek: Ich war ja nicht einmal auf dem "Traumschiff", sondern "nur" in Miami an Land (lacht). Tatsächlich habe ich mich am Anfang meiner Karriere mal bei Wolfgang Rademann (der TV-Produzent verstarb 2016; Anm. d. Red.) für eine "Traumschiff"-Rolle beworben. Ich müsste da 27, 28 Jahre alt gewesen sein. Rademann antwortete mir sogar, sagte mir aber ab. Warum bis zu meinem Debüt letztendlich so viel Zeit ins Land gegangen ist, kann ich jedoch nicht beantworten. Vielleicht hatte man mich einfach nicht auf dem Schirm. Wobei auch ich immer gut beschäftigt war – und man kann schliesslich auch nicht alles machen.
In der Osterfolge spielen Sie den Auswanderer Oliver Engelhardt. Haben Sie selbst jemals von einem Leben in den USA geträumt?
Nein. Die USA waren nie ein Land, in dem ich dauerhaft hätte leben wollen. Heute bin ich aufgrund der aktuellen Situation in den Vereinigten Staaten – wie viele andere wahrscheinlich auch – noch weiter davon entfernt. Natürlich ist es ein beeindruckendes und imposantes Land. Ich gehöre aber nicht zu den Schauspielern, die von einer grossen "Hollywood"-Karriere geträumt haben.

Warum lag Ihnen dieser Gedanke fern?
Weil ich eine Hollywood-Karriere immer als ziemlich unwahrscheinlich empfunden habe. Typen wie mich gibt es in Amerika doch hundertfach.
Die Dreharbeiten fanden im Frühjahr 2024 statt. Wie haben Sie das Land damals erlebt?
Zweigeteilt. Die zweite Präsidentschaft von
Das schönste Erlebnis vor Ort hatte sogar etwas mit meiner Rolle zu tun. Ich spiele in der Folge einen Galeriebesitzer. Verrückterweise habe ich 1999 in einer Galerie namens "The Time Is Always Now" in Greenwich Village (New York) ein Bild von dem berühmten Fotografen Peter Beard gekauft. Für dieses besondere Motiv, das einen Löwen zeigt, der auf eine Kamera zurennt, habe ich mich damals praktisch pleite gemacht.
Sie waren doch um die Jahrtausendwende herum schon ein erfolgreicher Schauspieler …
Stimmt, das war zur "Clown"-Zeit. Ein bisschen Geld kam im Anschluss also wieder rein. Jedenfalls lernte ich damals sowohl Peter Beard als auch dessen Partner Peter Tunney kennen, der mir dann auch das Bild verkaufte. Eben diesen Peter Tunney traf ich nun am "Traumschiff"-Set wieder. Mein erster Drehtag spielte sich ausgerechnet vor einem Ableger jener Galerie ab, in der ich vor mehr als 25 Jahren dieses Bild erworben hatte. Die Schriftzüge waren mir vom ersten Moment an bekannt vorgekommen. Für mich war das ein Gänsehautmoment.
Zufälliges Treffen mit Tochter Esther Sedlaczek
Dieser Galerist, den Sie spielen, hat nicht mit dem Besuch seiner Tochter Lena in Miami gerechnet. Sie selbst sind Ihrer Tochter Esther Sedlaczek kürzlich bei einem Event (Medienlese der ARD) begegnet – ebenso nichtsahnend. Informieren Sie sich mittlerweile frühzeitig, wo Sie auf Ihre Tochter treffen könnten?
Nein, nein. Das war ja eine freudige Überraschung – um nicht von einem Zufall zu sprechen, denn Zufälle gibt es meiner Meinung nach nicht. Wir sind beide ständig unterwegs. Mal drehe ich hier, mal drehe ich da. Bei Esther ist es noch extremer. Wir können uns nicht jedes Mal abstimmen, ob wir uns vielleicht zufällig über den Weg laufen könnten.
Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Entwicklung Ihrer Tochter?
Sie hat eine tolle Entwicklung hingelegt – und das aus ihrer eigenen Kraft heraus. Zu dem, was sie macht, hat Esther eine grosse Liebe und Leidenschaft. Genau das führt automatisch zum Erfolg. Denn Erfolg folgt, wenn du deiner Berufung folgst. Bei ihr ist das der Fall. Diesen Erfolg hat sie absolut zu Recht. Viele meiner Kollegen und Freunde schicken mir immer begeisterte Nachrichten, wenn sie Esther im Fernsehen moderieren sehen. Ich ziehe meinen Hut vor ihr.
Esther Sedlaczek ist als Moderatorin sehr vielseitig. Käme denn auch eine "Traumschiff"-Rolle für sie infrage?
Ich kann Ihnen Brief und Siegel geben, dass das nicht passieren wird. So gut kenne ich sie dann schon.
Ihr Heimathafen ist die Vorabend-Krimiserie "Morden im Norden". Würden Sie mit
Um das beurteilen zu können, müsste ich mit dem Drehprozess beim "Traumschiff" besser vertraut sein. Ich weiss aber, dass das Team praktisch das ganze Jahr über von einem Ort zum anderen unterwegs ist. Und ich frage mich, wie man das durchhält. Man sieht zwar viel von der Welt, doch ich würde die Welt lieber privat bereisen wollen – weil ich entscheiden möchte, wie lange ich an einem Ort bleibe. Wenn man mich aber fragen würde, müsste ich neu überlegen …
"Sobald ich anfange, mich mit einer Rolle ausserhalb meines Berufes zu identifizieren, habe ich ein Problem."
Wie erstrebenswert ist es für einen gelernten Schauspieler wie Sie, mit Darstellerinnen und Darstellern zusammenzuarbeiten, die nicht vom Fach sind? Letzteres trifft sowohl auf Silbereisen als auch auf die Gaststars
Mit Judith Williams hatte ich tatsächlich sogar schon bei "Morden im Norden" zu tun. Mit uns beiden hat es gut funktioniert. Mir persönlich ist es auch völlig wurscht, ob da ein Influencer, ein Bäcker oder ein Koch mitspielt. Wenn die Person ihre Rolle authentisch rüberbringt und eine Spielfreude entwickelt, interagiere ich gerne mit ihr. Für mich kommt es nicht darauf an, ob jemand eine Schauspielschule besucht hat oder nicht.
Nehmen manche Schauspielerinnen und Schauspieler sich und ihre Kunst manchmal zu ernst?
Absolut. Sobald ich anfange, mich mit einer Rolle ausserhalb meines Berufes zu identifizieren, habe ich ein Problem. Ich meine, ich habe den "Clown" gespielt. Ich war aber nie "Der Clown", sondern immer Sven Martinek, der die Figur des "Clowns" gespielt hat. Damals bekam ich oft zu hören, dass ich nur Action machen würde. Ich antwortete dann immer: "Leute, auch ich nehme die Treppe, wenn ich das Haus verlasse. Ich springe nicht aus dem Fenster." Ich bin da schon sehr im Boden verankert. Das trifft übrigens auch auf meinen "Morden im Norden"-Kollegen Ingo Naujoks zu.
"Morden im Norden": "Ingo und ich sind wie eins"
Würde einer von Ihnen beiden aus der Serie aussteigen – wäre das gleichbedeutend mit dem Aus von "Morden im Norden"?
Man sagt ja immer, jeder sei ersetzbar. Und eigentlich stimmt das auch. In diesem Fall wäre es aber so, als würde man einer Brücke einen Pfeiler wegnehmen: Die Brücke würde durchhängen. Ingo und ich sind wie eins. Würde einer von uns beiden aufhören, wäre es zumindest schwierig. Letztendlich lebt die Serie von dem, was wir da gemeinsam tun. Ohne uns miteinander vergleichen zu wollen: Aber Schimanski wäre ohne Thanner auch nur die Hälfte wert gewesen. Oder stellen Sie sich mal Stan Laurel ohne Oliver Hardy vor …
In welche Rolle würden Sie gerne noch schlüpfen?
Es gibt eine Sache, die noch auf meiner To-do-Liste steht: Ich würde gerne einmal in einem guten Western mitspielen. Zum Beispiel bin ich ein grosser "Yellowstone"-Fan. Und den Film "Once Upon a Time in the West" von Sergio Leone habe ich in meiner Kindheit an die 40-mal gesehen. Ich werde nicht müde, diesen Film zu lieben, weil er eine unglaubliche Mischung aus Western, Thriller und Oper ist.
Ingo Naujoks hat in der Talkshow "Riverboat" über Sie gesagt, dass Sie früher noch ganz anders drauf gewesen seien. Was meinte er damit?
Ich war eine Kerze, die von zwei Seiten gebrannt hat. Ich habe sogar lichterloh gebrannt und bin so schnell gerannt, wie ich konnte – in der Hoffnung, dass mein Feuer ausgeht. Bis ich begriffen habe, dass ich dieses Feuer ja selbst kreiere. Ich war immer ein Mensch, der sich als Opfer des Lebens sah. Ich war auf vielen Partys, trank viel Alkohol. Das ganze Programm eben.
Irgendwann habe ich die Bremse gezogen und einen Perspektivwechsel vorgenommen – mithilfe von Coachings. So wurde mir klar, dass das Leben immer für uns und nie gegen uns passiert. Ich bin ein anderer Mensch geworden. Von dieser Transformation sprach Ingo. Wenn du deine Vergangenheit sehen willst, dann siehe, wo du jetzt stehst. Wenn du deine Zukunft sehen willst, dann achte auf jeden Gedanken. Heute bieten meine Freundin und ich selber Coachings an, eine entsprechende Ausbildung haben wir gemacht.
Über den Gesprächspartner
- Sven Martinek ist ein deutscher Schauspieler, der Ende der 90er als "Der Clown" in der gleichnamigen Actionserie populär wurde. Seit 2012 ist der gebürtige Magdeburger an der Seite von Ingo Naujoks fester Bestandteil der Vorabend-Krimiserie "Morden im Norden". Darin verkörpert er den Kriminalhauptkommissar Finn Kiesewetter.