Die Ausdehnung des arktischen Meereises hat einen neuen Negativrekord erreicht. Die deutsche Nordsee war 2024 so warm wie nie und die Veränderung des globalen Wasserkreislaufs kann laut einer Studie die Rotation der Erde beeinflussen. Das sind die aktuellen Klimanews.
2024 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und die Auswirkungen der Klimakrise werden spürbarer: Extremwetterereignisse nehmen weltweit zu, ein Negativrekord jagt den nächsten.
Die globale Erwärmung zu bremsen und die Folgen beherrschbar zu halten, ist eine der zentralen Herausforderungen für die Menschheit. In dieser Serie halten wir Sie über die aktuellen News und Entwicklungen rund ums Klima auf dem Laufenden.
Nachlassende Bodenfeuchtigkeit hat Auswirkungen auf die Erdrotation
Bodenfeuchtigkeit spielt eine entscheidende Rolle im globalen Wasserkreislauf zwischen Erde und Atmosphäre - doch das Wasservorkommen in Böden und Landflächen hat seit Anfang der 2000er-Jahre stark abgenommen. Hauptursachen sind veränderte Niederschlagsmuster und zunehmende Verdunstung durch steigende Temperaturen.
Eine neue Studie zeigt nun, dass diese globale Verschiebung des Wassers den Anstieg des Meeresspiegels beschleunigt – und sogar die Rotation des Planeten verändert, weil sich die Achsneigung verändert.
Das Süsswasser, das eigentlich im Boden gespeichert ist, fliesst vermehrt in die Ozeane und trägt direkt zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Demnach gingen zwischen 2000 und 2022 weltweit über 1.600 Gigatonnen Wasser aus Böden verloren – und damit mehr, als das geschmolzene Eis Grönlands im gleichen Zeitraum zum Meeresspiegelanstieg beitrug.
Forschende warnen, dass sich die Bodenfeuchtigkeit unter aktuellen Klimabedingungen nicht erholen wird. Damit bedroht der Klimawandel nicht nur die weltweite Grundwasserversorgung, sondern auch die physikalische Dynamik der Erde selbst.
Fläche des Arktis-Meereises so gering wie nie
Jedes Jahr im März, zum Ende des Winters, erreicht das arktische Meereis seine grösste Ausdehnung. Seit rund 50 Jahren wird die Fläche in dieser Zeit per Satellitenmessung erfasst – doch noch nie war die Maximalfläche des Meereises in der Arktis so klein wie in diesem Jahr.
"Das ist kein gutes Zeichen für die Zukunft."
Laut der US-Weltraumbehörde Nasa sowie der US-Klimabehörde National Snow and Ice Data Center (NSIDC) lag die Ausdehnung des Meereises am 22. März 2025 bei rund 14,33 Millionen Quadratkilometern – und damit unter dem bisherigen Negativrekord von 14,41 Millionen Quadratkilometern im Jahr 2017.
Damit startet das arktische Meereis mit einem grossen Defizit in die kommende Eisschmelze. "Das ist kein gutes Zeichen für die Zukunft", sagt Nasa-Glaziologin Linette Boisvert vom Goddard Space Flight Center.
Die Meereisdaten des NSIDC decken sich mit den Ergebnissen des EU-Klimadienstes Copernicus, die bereits im Februar veröffentlicht wurden. Grund für die geringe Ausdehnung des Meereises sind die hohen Temperaturen der vergangenen Wintermonate: Mit durchschnittlich 0,71 Grad über dem Mittelwert der Jahre 1991 bis 2020 war es der zweitwärmste Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Der Rückgang des weltweiten Meereises hat erhebliche Folgen für das Klimasystem. Es spielt nicht nur für die polaren Ökosysteme eine zentrale Rolle, sondern auch für das globale Klima. Die helle Eisdecke der Polkappen reflektiert grosse Mengen Sonnenlicht und reduziert dadurch die Erderwärmung. Doch seit Jahren nimmt die Meereisfläche kontinuierlich ab. Aktuelle Prognosen deuten darauf hin, dass der Nordpol bereits in den 2030er-Jahren erstmals vollständig eisfrei sein könnte.
Deutsche Nordsee erreichte 2024 Rekordtemperaturen
Im vergangenen Jahr hat die Wassertemperatur in der deutschen Nordsee einen neuen Rekord erreicht: Wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) auf seiner Jahrespressekonferenz mitteilte, lagen die Temperaturen 1,5 Grad über dem langjährigen Durchschnitt – und damit so hoch wie nie zuvor.
In der gesamten Nordsee, also auch in den nicht zu Deutschland gehörenden Gebieten, war 2024 das viertwärmste Jahr seit Beginn der Messungen. Nur in den Jahren 2014, 2022 und 2023 wurden noch höhere Temperaturen verzeichnet. Seit 1969 hat sich das Nordseewasser insgesamt um fast 1,5 Grad erwärmt.
Noch deutlicher fiel die Erwärmung in der Ostsee aus. Seit 1990 stieg die Wassertemperatur dort um 1,9 Grad. Das Jahr 2024 war das zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen – nur 2020 war noch wärmer. Mit einer Durchschnittstemperatur von 9,6 Grad lag die Ostsee 2024 um 1 Grad über dem langjährigen Mittel.
Das BSH fordert ein stärkeres Engagement Deutschlands und Europas in der Ozeanbeobachtung und Klimaforschung. Angesichts von Budgetkürzungen und Personalentlassungen in den USA warnt die Behörde vor den globalen Auswirkungen solcher Einschnitte.
Ozeanografische Daten sind essenziell für das Verständnis des Klimas und die Vorhersage von Wetterphänomenen. "Europa und Deutschland sollten Anstrengungen unternehmen, Verluste von internationalen Forschungs- und Datenprogrammen aufzufangen", sagt BSH-Präsident Helge Heegewaldt.
Studie: Klimastrategien setzen auf Wälder als CO2-Speicher – doch diese Funktion schwindet
Wälder gelten als natürliche Klimaanlagen: Sie speichern enorme Mengen an CO2 und regulieren das regionale sowie globale Klima. Dadurch wird ihnen im Kampf gegen den Klimawandel eine entscheidende Rolle zuteil.
Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) warnt nun jedoch, dass die Fähigkeit der Wälder, CO2 zu speichern, durch Klimawandel und Abholzung gefährdet ist. Aktuelle Klimamodelle überschätzen demnach die Widerstandsfähigkeit der Wälder und beziehen Störungen wie Brände und Abholzung zu wenig ein.
Bisher nahmen Wälder jährlich etwa 7,8 Milliarden Tonnen CO2 auf, doch ihre Speicherkapazität könnte infolge des Klimawandels sinken. Klimastrategien müssen daher die abnehmende CO2-Speicherfähigkeit der Wälder berücksichtigen – sonst könnte das Erreichen der Pariser Klimaziele erheblich schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich werden.
Verwendete Quellen
- Fachmagazin Science, Samaniego et al., 2025: "Permanent shifts in the global water cycle"
- Washington Post: "Earth’s soil is drying up. It could be irreversible"
- NSIDC.org: "Arctic sea ice sets a record low maximum in 2025"
- NASA.org: "NASA, NSIDC Scientists Say Arctic Winter Sea Ice at Record Low"
- BSH.de: "Pressemitteilung zur Jahrespressekonferenz 2025"
- Fachmagazin Nature, Windisch et al., 2025: "Hedging our bet on forest permanence for the economic viability of climate targets"
- Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Pressemitteilung "Schwindende CO2-Speicherfunktion der Wälder könnte Klimaziele unerreichbar machen"