Viele Hundebesitzer kennen die Situation: Der eigene Vierbeiner oder ein fremder Hund nähert sich und beginnt, am Schritt zu schnüffeln. Dieses Verhalten kann für Menschen unangenehm oder peinlich sein, ist jedoch aus Sicht des Hundes völlig natürlich. Doch warum zeigen Hunde dieses Verhalten?
Hunde verfügen über einen aussergewöhnlich ausgeprägten Geruchssinn. Mit je nach Rasse zwischen 125 und 300 Millionen Riechzellen nehmen sie ihre Umwelt stark über Gerüche wahr. So sammeln die Tiere umfassende Informationen. Das wiederum ermöglicht es ihnen, detaillierte Eindrücke von ihrer Umgebung und den Lebewesen darin zu gewinnen.
Hunde "sehen" mit ihrer Nase
"Hunde leben in einer ganz anderen Welt als wir, die mit viel, viel mehr Informationen gefüllt ist, als wir jemals durch den Geruch verarbeiten könnten", erklärt etwa Hunde-Experte Stanley Coren im Magazin "The Dog People": "So analysieren sie Informationen."
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In der Kommunikation unter Artgenossen beschnüffeln sich Hunde häufig gegenseitig im Genitalbereich. Dort befinden sich Drüsen, die Pheromone absondern – chemische Botenstoffe, die Aufschluss über Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand und Fortpflanzungsstatus des anderen Hundes geben. Dieses Verhalten dient der sozialen Interaktion und Informationsgewinnung.
Warum der menschliche Schritt so interessant ist
Auch Menschen besitzen sogenannte apokrine Drüsen, die Pheromone produzieren. Diese befinden sich vor allem in den Achselhöhlen sowie im Genitalbereich. Für Hunde sind diese Bereiche besonders geruchsintensiv und daher von grossem Interesse. Da der Schritt für Hunde zudem oft auch auf einer leicht zugänglichen Höhe liegt, nutzen sie diese Gelegenheit, um durch Schnüffeln Informationen über eine Person zu erhalten.
Hunde reagieren besonders stark auf hormonelle Veränderungen beim Menschen. Während der Menstruation, des Eisprungs oder einer Schwangerschaft verändert sich die Zusammensetzung der Pheromone, was Hunde intensiv wahrnehmen können. Dies erklärt, warum Hunde in solchen Zeiten vermehrt am Schritt von Frauen schnüffeln.
Wie man mit diesem Verhalten umgeht
Viele Menschen empfinden das Schnüffeln als unangenehm, für Hunde ist es aber ein normales Verhalten. Daher ist unbedingt zu beachten, den Hund nicht zu bestrafen. Der Hund würde dies auch nicht verstehen, da er aus seiner Sicht nichts falsch gemacht hat.
Stattdessen können folgende Massnahmen helfen:
- Ablenkung: Lenken Sie den Hund mit Spielzeug oder Leckerlis ab, um seine Aufmerksamkeit umzulenken.
- Training von Grundkommandos: Üben Sie Befehle wie "Sitz" oder "Platz", um dem Hund alternative Verhaltensweisen anzubieten.
- Alternativen anbieten: Ermutigen Sie den Hund, an weniger intimen Körperstellen wie Händen oder Füssen zu schnüffeln.
Durch konsequentes Training und positive Verstärkung kann der Hund lernen, sein Verhalten entsprechend anzupassen. (lau)
Verwendete Quellen
- Deine Tierwelt: Warum wollen Hunde immer an allem riechen?
- Tierärzte Verlag: Atmen, schnüffeln, Freunde finden
- Heute.at: Deshalb schnüffeln Hunde so gerne in unserem Schritt
- Ein Herz für Tiere: Deshalb schnüffeln Hunde uns am Schritt
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